Verkehrsunfall? Welcher Schadensersatz steht Ihnen zu?

Bergungs- und Abschleppkosten müssen von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bezahlt werden.

Bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall muss die gegnerische Haftpflichtversicherung für alle entstandenen Schäden aufkommen. Dabei wird zwischen Sach- und Personenschäden unterschieden.

 

Sachschäden

Abschleppen und Bergen

Die Abschlepp- und Bergungskosten nach einem Unfall müssen von der gegnerischen Haftpflichtversicherung übernommen werden. Dabei haben Sie Anspruch, dass Ihr Auto zu einer fachlich geeigneten und räumlich nahe gelegenen Werkstatt Ihrer Wahl transportiert wird.

 

Kfz-Sachverständiger

Bei einem unverschuldeten Unfall haben Sie Anspruch auf einen unabhängigen Sachverständigen. Dieser sorgt für die Beweissicherung, ermittelt die Schadenhöhe, den Wiederbeschaffungs- oder Restwert und die Wertminderung. Die anfallenden Kosten trägt die gegnerische Haftpflichtversicherung.

Bei einem Bagatellschaden, Reparaturkosten unter 800 Euro, reicht ein Kostenvoranschlag einer Werkstatt aus.
Sollte Ihnen die gegnerische Versicherung eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung per App anbieten, lehnen Sie diese ab und lassen Sie sich in einem solchen Fall einen Kostenvoranschlag in einer Werkstatt erstellen.
Die Abrechnung mit Bildern und per App zielt darauf ab Kosten für die Versicherung einzusparen oft zum Nachteil des Geschädigten. 

 

Reparaturkosten

Reparaturkosten müssen ebenso bezahlt werden wie die Verbringungskosten.
Verbringungskosten fallen an, wenn das Fahrzeug zur Reparatur von einer Karosseriewerkstatt zu einem Lackierfachbetrieb transportiert werden muss.

 

Mietwagen und Nutzungsausfall

Nach einem unverschuldeten Unfall haben Sie Anspruch auf einen Mietwagen. Sollten Sie kein Ersatzfahrzeug benötigen, können Sie stattdessen eine Nutzungsausfallentschädigung einfordern. Diese berechnet sich nach dem Wert Ihres Autos.

 

Wertminderung

Nach einem Unfall sinkt meist der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs, da es sich um einen Unfallwagen handelt. Diese Wertminderung legt der Sachverständige in seinem Gutachten fest und muss ebenfalls von der Versicherung bezahlt werden.

 

Unkostenpauschale

Nach einem Verkehrsunfall entsteht viel Arbeit und Zeitaufwand. Telefongespräche mit der Versicherung und das Ausfüllen und verschicken von Formularen.
Die Kosten für Porto oder Telefon werden im Durchschnitt mit einmalig 25 Euro vergütet. Die aufgewendete Zeit muss nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht erstattet werden.

 

Anwaltskosten

Ist die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt oder wurden Personen bei dem Unfall verletzt, sollten Sie auf jeden Fall einen Anwalt für Verkehrsrecht einschalten.
Bei einem unverschuldeten Unfall wird das Anwaltshonorar von der gegnerischen Versicherung bezahlt. Ihr Anwalt sorgt dafür, dass keine Ansprüche gegenüber der Versicherung vergessen werden.

 

Personenschäden

Kosten für Personenschäden trägt ebenfalls die gegnerische Versicherung.
Diese Kosten beinhalten die Heilbehandlung, den Verdienstausfall, eventuelle Haushaltsführung und ein Schmerzensgeld.

 

Schmerzensgeld

Bei Personenschäden hat der Geschädigte einen Anspruch auf Schmerzensgeld.
Das Schmerzensgeld muss vor Gericht eingefordert werden.
Es gibt keine Pauschalbeträge, jeder Fall wird individuell entschieden.
Eine grobe Orientierung bieten Schmerzensgeldtabellen die Durchschnittswerte aus zurückliegenden Gerichtsverfahren berechnen.

Die Höhe des Schmerzensgeldes setzt sich aus einer Ausgleichszahlung für die entstandene gesundheitliche Beeinträchtigung und aus der Genugtuung zusammen.

 

Ausgleich

In die Berechnung der gesundheitlichen Beeinträchtigung fliesen mehrere Faktoren ein. Welches Körperteil ist wie stark betroffen und wie lange hat der Schmerz angedauert. Kam es durch die Verletzung zu einer Arbeitsunfähigkeit und wenn ja wie lange.
Ein weiteres Kriterium für die Höhe des Schmerzensgeldes sind operative Eingriffe und wie schwerwiegend diese waren.
Folgeschäden fliesen ebenso bei der Berechnung des Schmerzensgeldes mit ein. Dabei werden nicht nur physische, sondern im gleichen Maße auch psychische Beschwerden berücksichtigt.

 

Genugtuung

Die Genugtuungsfunktion hat einen Einfluss auf die Höhe des Schmerzensgeldes.
Dadurch soll der Verursacher zur Rechenschaft gezogen werden und dem Geschädigten Genugtuung widerfahren.
Die Höhe dieser Entschädigung richtet sich danach ob der Verursacher durch unverschuldetes Versehen, fahrlässig, grob fahrlässig oder gar vorsätzlich den Unfall verursacht hat.
Versucht der Schädiger vor Gericht trotz bewiesener Schuld die Tat zu leugnen, wirkt sich das auf die Höhe des Schmerzensgeldes aus.

Bei einem Verkehrsunfall mit Personenschaden sollten Sie auf jeden Fall einen Fachanwalt für Verkehrsrecht mit der Schadensregulierung beauftragen.